das war der Typostammtisch

3. September 2009

Haiko findet wieder kein Maas. (Oberlehrer), ursprünglich hochgeladen von kupferschrift

Advertisements

Another Warning

30. November 2007

Wherever you go – there you are. Alle im Leben getroffenen Entscheidungen führen zu irgendwelchen momentan noch etwas schwammigen Resultaten und mit denen hat man dann weiterzuleben. Wildes ApfelZ-Geschreie hilft hier nichts. Und so saßen wir also im zertifizierten JamesBondBunker in Antwerpen und lauschten den Rednern der integrated2007, des ersten nennenswerten Gestaltungs- oder Typographiekongresses in Belgien seit circa einer Dekade. Es wurde berichtet von allerlei wunderbar Ding und Gedanken; Von eisernen Brücken die das Leben wieder gut machen; Von typographischen Aalen und machiavellistischen Tastenkürzeln; Von Menschen, die mit totalem Schrott Geld und Anerkennung verdienen; Von der Schwierigkeit, sich gleichzeitig in allen vier Extremen eines Streudiagrammes aufzuhalten und von dergleichen gar mehr.

Warning! This is not…
Circa 600 Interessierte hörten zu. Darüber konnte sich Ben Bos nur wundern. Und das, wo er mit Schuld an diesem unziemlichen Auflauf trägt. Zusammen mit seiner langjährigen Gefährtin und Ehefrau Elly Bos stellte er »Agi: Graphic Design Since 1950« vor, ein Kompendium aller Mitglieder der »Alliance Graphique Internationale«, jeweils mit kurzem Lebenslauf und einigen Werken, und gab allen Anwesenden mehr als nur einen sehr gut gemeinten Ratschlag. Elly fand die richtigen Worte: »Sometimes, you need a lot of patience.« Das Buch wiegt über 3 Kilo, wie des öfteren betont wurde. Erik Kessels war übrigens auch da, redete über sein mit 2 Kilo verdientermaßen weit abgeschlagenes Buch und stellte so einige Projekte vor. Zwei davon waren sogar halbwegs interessant.

In den Reigen der alten Recken reihte sich Rick Poynor (AKA Typoynor) ein, berichtete so einiges vom britischen Kunstmarkt im speziellen und dem internationalen Design-Kunst-Markt im allgemeinen, gab gute Ratschläge und vergaß nicht, des öfteren zu erwähnen, daß man guten Ratschlägen, selbst von Giganten, besser keinen Glauben schenken solle, jedenfalls nicht unbedingt. Ebenfalls aus Großbritannien war Sarah DeBondt da, zeigte nette Proben ihrer Arbeit, und sich in Bezug auf Ratschläge er zurückhaltend. Ein Zeugma, wie es im Buche steht, oder zumindest stehen sollte. In punkto Ratschläge ergiebiger erwies sich der Surfer aus Friesland, René le Knipe, und auch ansonsten ist der gute Mann recht umtriebig. Mit durchweg ansehnlichen Ergebnissen. Also fast schon ein Gigant. Schade eigentlich, seine Lebensanweisungen klangen samt und sonders recht vernünftig.

Die Freude über Ruedi Baurs respektvolles, respektables, integratives Design und Pierre Di Sciullos obskure Ausführungen zum Zustand der Welt wie er sie sieht und seinen Berufsstand im Allgemeinen, obwohl, nein, eigentlich die Freude über die großteils gute Auswahl an Sprechern, diese exquisite Verzückung also wurde stark getrübt durch den kleineren Rest an Rednern, die entweder durch ihre extrem langweilige Vortragstechnik, die mindere Güte ihrer Arbeiten, ihren offensichtlichen Zwang, toll zu sein oder allgemeine Dummheit auffielen. Zu einem Zeitpunkt bestand gar kurz die Möglichkeit eines Aufstandes der Massen. Eine alles in allem gelungene Veranstaltung.

Auch der wahnsinnige MillionenEinzelteilePixelSchriftMann war wieder da, diesmal allerdings ohne Anna Futura. Die Walkie-Talkies waren ohnehin nicht geladen. Antwerpen hat aber auch ohne diese technischen Sperenzchen so einiges zu bieten. In erster Linie schlecht zu findende Restaurants, die dann aber im Schnitt ganz gut gefunden werden.