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16. Juni 2008

Wieder einmal hat sich das Crack-Team von Typolyester aufgemacht, die entlegensten Winkel der Welt zu erkunden, verlorengeglaubte Schätze aufzuspüren und allgemein für Verwirrung zu sorgen. Investigativer Journalismus ist unsere Leidenschaft. Wir wissen nun minutiös Bescheid über die Wohnsituation des Peter Rae(y) und die Hauptverdienstquelle der Briefmarkentransportboote, deren geschäftiges Treiben auf dem Kanal zwischen den Niederlanden und Großbritannien von uns schon seit geraumer Zeit argwöhnisch beäugt wird.

Die Veranstaltung »Forum Typographie«, die 23te ihrer Art, wurde in diesem Jahr von Studenten der Hochschule der Künste der Hansestadt Bremen sehr liebevoll gestaltet. Außer Jay Rutherford (bei der Ankündigung des Forums Typographie 2009 in Weimar) im Kampf gegen falsch konfigurierte Keynote-Dokumente (“…mhan khan in dehn preferences dhas zuwücksthellen…”) waren der Attraktionen Legion; So begeisterten die Jungs von Underware und später Erik Spiekermann mit hochgradig unterhaltsamen und sehr nichtssagenden Vorträgen, Franco Clivio demonstrierte eindrucksvoll am eigenen Beispiel “the power of krasser begeisterungsfähigkeit” ob seiner umfangreichen Sammlung anonymen Designs, Dirk Lauke gewährte Einblicke in sein »hübsch aber nützlich« Design und Peter Bilak gewährte Einblicke in die Besonderheiten der Gestaltung von Briefmarken in seinem Geburtsland, der Slowakei. Peter von Kornatzki überzeugte mit seiner Fähigkeit, eine unglaubliche Menge an Folien in kürzester Zeit sehr tiefgreifend und umfassend zu kommentieren, dabei wild und ungewöhnlich zu gestikulieren, Niessen und De Vries zeigten einige Beispiele ihres wilden architektonischen stijl und Detlef Rahe riet, statt das briefing umzuschreiben, die Industrie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Zudem prangerte er die Notwendigkeite einer Inkompetenzkompensationskompetenz an.

Das eigentliche Motto der Veranstaltung, »Bremen: zwischen Ulm und Amsterdam« oder ähnlich konnte von keinem der Redner überzeugend angepackt werden. Zutreffend: Viele der Vorträge beschäftigten sich mit Ulm, viele mit Amsterdam (in verschiedenen Graden der Abstraktion; Ulm für typisch deutsche, Amsterdam für typisch niederländische Gestaltungsphilosophien), keiner jedoch stellte beide gegenüber, nebeneinander, verglich oder polarisierte in einem Grad der über billige Polemisierung oder Klischeereiterei hinausging. Einzig in einer Diskussionsrunde, oder besser: einer Reminiszensrunde Ulmer Veteranen, klang solches an, doch war mit der Ulmer Garde eine zu starke Fraktion geladen, der die Niederländer keine ebenbürtige entgegensetzen konnten

Die Unterbringung ließ Nichts zu wünschen übrig.

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