Modernismus – Ein Vabanquespiel?

7. Oktober 2007

Ob dem geradezu bestechend dummen und überraschend solide ausgeführten Plan, der FAZ vermittels einer Neugestaltung ihr unverwechselbares Profil zu nehmen, sie in eine beliebige, junge Langweilerzeitung zu verwandeln, bekommt man nicht übel Lust, den Verantwortlichen vermittels einer Crimpzange solange irreperabele Verbindungen zuzufügen, bis sie die unübersehbaren Vorteile von Trennlinien, Artikelüberschriften in ihrer eigenen Hausschrift und vermittelten Überschriften mit zealotischem Eifer zu verteigen gewillt sind.

faz 5.okt. seite 1

Ohne helfendes Eingreifen allerdings wird hier enthirnt dem »Wunsch einer großen Mehrheit der Leser« entsprochen, wird mit Brechstangen und anderen feinmechanischen Werkzeugen der »Bleiwüste« zuleibe gerückt, statt durch zaghaftes Anschubsen in frei wählbaren Richtungen ein verwechselungssicheres Erscheinungsbild neuzugestalten. Ebenso offensichtlich wie bedauernswerterweise gewann hier der »beflissene Modernismus« gegen den Drang zur »trotzigen Selbststilisierung«, übereifrig und strebsam wird modernisiert statt dem eigenen Stil die Stirn zu bieten. Sagt Werner D’Inka auf der Titelseite vom 5. Oktober.

Wie Jens Brüning in der Kulturpresseschau auf DRadio allerdings richtig bemerkt, will sich der typische Leser »seine« FAZ erarbeiten; jedwede allzu offensichtliche Hilfe bei dieser kulturell bedeutsamen Aufgabe muß zwangsweise Unmut erregen. Als mahnendes Beispiel hierfür mögen die bedrohlichen Umständen in der Elektrotechnikbranche und hier insbesondere unter den Lötmittelherstellern anläßlich der Einführung des crimpens herhalten.

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One Response to “Modernismus – Ein Vabanquespiel?”

  1. typontifex Says:

    Lieber Typorno, willst Du der Bildredaktion der FAZ nicht beratend zur Seite stehen?
    Denn so rechtfertigt die FAZ ihre Wahl des Fotos auf der Titelseite: »Wer wirklich begreifen will, muss lesen und ist auch in Zukunft mit dieser Zeitung bestens beraten.« Mit dem Minimalismus, den Dein Ausschnitt zu Tage legt, hätte dies Credo doch noch mehr Gehalt.

    Am besten finde ich ja, dass die FAZ die »Times« als Renaissance-Antiqua klassifiziert. (Da weiß sogar Wikipedia besser Bescheid.)


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