Unser Trip nach JR Gulch – Impressionen einer Reise.

7. Juni 2007

Letztes Wochenende waren wir in JR Gulch, einem kleinen Städtchen am Ufer des JR River. Die Studenten der JR University veranstalteten dort die TypograVieh – kursIV, ein sehr feines kleines, und kostenloses Symposium zum Thema. Neben spannenden und guten Vorträgen von Frau Fraktur, Anna Futura, dem wahnsinnigen MillionenEinzelteilePixelSchriftMann und dem Spanier (superveloz! superveloz! superveloz!) gab es leider auch mal wieder das äußerst langweilige und selbstproduzierende Urlaubsfotoalbum von Harmlars und seinen Kollegen zu sehen. Aber nix is perfekt.

Interessante Erkenntnisse konnten gewonnen werden: Frau Fraktur ist gar nicht Frau Fraktur, sondern in echt Judith Schalansky und hat nicht etwa nur Fraktur mon amour erdacht und gestaltet sondern auch anderes. So wird zum Beispiel demnächst im mare-Verlag ein kleines Buch von ihr erscheinen, das sich mit Kindheitserinnerungen und Seepferden im Dunstkreis der nördlichen seenahen Gebiete Deutschlands beschäftigt. Der Clou, die um das eigentliche Buch herumgedruckten Fußnoten und Anmerkungen, sozusagen direkt mitgelieferte Sekundärliteratur, wird allerdings wohl nicht dranhängen. Es gibt nur das einfache Taschenbuch, ohne Sperenzchen und Typonerdgetue. Schade.

Frau Fraktur, der wahnsinnige MillionenEinzelteilePixelSchriftMann und Anna Futura

Frau Fraktur (links) fotographiert Anna Futura (ganz rechts)

Anna Futura bewies eindrucksvoll, wo Buchstaben hingehören, und wer sie dorthin zurückbringt, wenn sie sich mal wieder aus dem Staub gemacht haben. Mit Spannung wird hier das Erscheinen des ersten Werkes dieser aufstrebenden MetaTheoretikerin erwartet.

Alessio Leonardi erzählte so einiges über seinen Werdegang und seine neu erschienene Schriftfamilie BMF Elettriche, eine reine Pixelschrift in geradezu absurd vielen, untereinander frei kombinierbaren, durch ein waghalsiges System identifizierbaren Schnitten, ein mehr als unterhaltsamer Vortrag, nicht zuletzt wegen der mannigfaltigen Unterbrechungen durch Anna Futura.

Andreu Balius gab uns einen groben Einblick in die spanische Typoszene, seine Fahrradtouren in den Bergen, seine durchweg sehr liebevoll geschnittenen, wunderschönen Schriften und die spanische Essenskultur. Besonders erwähnenswert ist das großartige Projekt superveloz.net, eine Adaption früher modulartypographischer Versuche in zeitgemäße Anwendungsformen und ein Zeitdieb sondergleichen.

Die einzigen die sich allerdings mit dem Thema beschäftigten waren Hendrik Weber & Thomas Thiemich mit ihren Vorträgen zu Fragen wie ‚was macht eigentlich eine kursive schrift aus‘ und ‚hat es eventuell einen sinn, daß die kegel für kursive schriften den gleichen winkel hatten wie die jeweilige kursive‘. Auch zu sehen waren so einige Schriftentwürfe, die an der JR University entstanden, manche lobenswert, manche nicht, sowie große Mengen alkoholischer Getränke im späteren Verlauf des Samstages auf der zugehörigen Party. Die leider auch von recht vielen Scientology-Yuppies besucht wurde.

geschrieben von typorno

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